Ärzte wollen Digitalisierung, aber im richtigen Tempo!

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Aktuell ist der Ärger in der Ärzteschaft über Noch-Gesundheitsminister Spahn und die Hauruckmaßnahmen zur Digitalisierung der Gesundheitsbranche innerhalb der letzten Legislatur enorm.

Auf dem 125. Deutschen Ärztetag wurden gleich elf Beschlüsse erhoben, die sich gegen die Digitalisierung richten. Dabei wird nicht die Digitalisierung als solches verteufelt, sondern vielmehr das Tempo mit dem die notwendigen Veränderungen durchgeboxt wurden, das insgesamt die Sinnhaftigkeit und Sorgfalt bei der Planung in Frage stellt. Die KBV wird hierbei noch deutlicher und fordert gar ein einjähriges Moratorium, um eine inhaltliche und strukturelle Neuordnung der Gemantik auf den Weg bringen zu können. Digitalisierung ja, aber mit Sinn und Verstand.

Aktuelle Pilotprojekte zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und zum E-Rezept taugen dabei eher als Abschreckung, denn als Vorbild. Auch der Nutzen manch digitaler Anwendung ist nicht erkennbar und nur weil es technisch machbar ist, wird die Umsetzung nicht zwangsläufig sicher und störungsfrei erfolgen.

Der Frust bei den Ärzten sitzt tief, zumal führende Vertreter von Beginn an auf die möglichen Folgen aufmerksam gemacht hatten. Ohne politischen Änderungswillen und stärkere Einbindung von Fachexpertise v. a. auch aus der Ärzteschaft sei das ganze Projekt letztlich aber zum Scheitern verurteilt. Da die KBV nicht recht an ein Moratorium glauben will, hat sie bereits die Weichen für AU und Rezepte nach alt-hergebrachter Art gestellt – mindestens bis zum Ende des ersten Halbjahres 2022.