Ärztliche Behandlung aus der Ferne

Die Berliner Charité unterstützt die telemedizinische Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten und in Nordrhein-Westfalen werden Rettungsdienste zukünftig mit einem „Telenotarzt“ unterwegs sein. Der physisch anwesende Arzt wird immer weniger benötigt. Mit Hilfe der modernen Technologie bleibt er jedoch über den Krankheitsverlauf des Patienten informiert und kann in Risikosituationen entsprechende Maßnahmen anordnen. Angesichts des drohenden Ärztemangels, besonders in ländlichen Gebieten, birgt die Telemedizin ein gewisses Potenzial, um eine ausreichende medizinische Versorgung sicherzustellen.

Telemedizin in der Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten
Die Berliner Charité zieht ein positives Fazit aus der Fontane-Studie, in der zwischen 2013 bis 2018 mehr als 1.500 Herzinsuffizienz-Patienten vom Zentrum für Kardiovaskuläre Telemedizin telemedizinisch betreut wurden, und der daran angeschlossenen einjährigen Nachbeobachtungszeit. Im Rahmen der Studie übermittelten Patienten täglich ihre Vitalparameter – mittels der bereitgestellten Messgeräte wie EKG und Blutdruckmessgerät – an das rund um die Uhr mit einem Arzt und einer Krankenschwester besetzte Zentrum. Basierend auf einer algorithmengestützten Auswertung der Daten wurde der Gesundheitszustand des Patienten beurteilt, so dass in Notfällen geeignete Maßnahmen hätten eingeleitet werden können, unter anderem ein Rückruf und die Beratung des Patienten, die Information des nächstgelegenen Arztes oder auch der Einsatz des Rettungshubschraubers. Die Studie kam zum Schluss, dass mit einer telemedizinischen Betreuung die Mortalitätsrate von Herzinsuffizienzpatienten relativ um 20 Prozent und absolut um 3 Prozent sowie die Hospitalisierungsrate um 30 Prozent gesenkt werden kann. Darüber hinaus lassen sich Versorgungsdefizite in ländlichen und strukturschwachen Regionen mit Hilfe der Telemedizin ausgleichen. Die Barmer Krankenkasse hat bereits einen Versorgungsvertrag mit der Charité und den niedergelassenen Ärzten zum Einsatz dieses telemedizinischen Projekts für Patienten mit Herzinsuffizienz abgeschlossen. Professor Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für Kardiovaskuläre Telemedizin der Charité, hofft, dass das Modellprojekt in die Breitenversorgung aufgenommen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verstärkt wird.

Telemedizin im Rettungseinsatz
Das Aachener Modell des „Telenotarztes“ soll auf weitere Städte Nordrhein-Westfalens ausgeweitet werden. Eine entsprechende Leitlinie wurde bereits vorgestellt. Zukünftig sollen Rettungsteams durch einen per Video zugeschalteten Notarzt unterstützt werden, der auf diese Weise eine erste medizinische Einschätzung erheben kann. Geplant ist, zunächst in Düsseldorf und der Region Ostwestfalen-Lippe Telenotarzt-Standorte aufzubauen. Bis 2022 soll in jedem Regierungsbezirk mindestens ein Standort eröffnet werden.

Autor: Thip Pruckner, Market Intelligence Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: ärztezeitung.de 23.01.2020; kma online 12.02.2020
Bild: mohamed Hassan, pixabay.com