Aufwind für das E-Rezept

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat angekündigt, eine Patienten-App für das E-Rezept zu entwickeln. Auf der Internetseite www.dav-app.de informiert der Verband über die neue App und wirbt bei den Apotheken um Unterstützung für das Vorhaben. Erst wenige Tage vor dieser Ankündigung wurde der DAV von der Gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) beauftragt, die Federführung für die Einführung des E-Rezeptes zu übernehmen. Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) begrüße die Apothekerschaft eine zügige Einführung des elektronischen Rezeptes. Bis Juni 2020 soll ein Konzept vorgelegt werden. Das Land Baden-Württemberg will das E-Rezept bereits dieses Jahr in zwei Testregionen an den Start bringen. Das Projekt „GERDA – Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken“ wird in das Telemedizinprojekt „docdirekt“ der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württembergs eingebunden. Ein konkreter Starttermin für GERDA steht jedoch noch nicht fest.

Doch nicht alle Apotheker fiebern freudig der Einführung der digitalen Verordnung entgegen. Einer Umfrage unter 235 Apotheken zufolge hält sich die Euphorie über das E-Rezept vielmehr in Grenzen. 14 Prozent der befragten Apotheker sehen im E-Rezept „nur Nachteile“ und 43 Prozent „mehr Nachteile“ für ihr Geschäft. Dem stehen jeweils 6 Prozent und 23 Prozent der Apotheker gegenüber, die darin „nur Vorteile“ oder „mehr Vorteile“ als Nachteile sehen. Die Umfrageteilnehmer befürchten in Zusammenhang mit dem E-Rezept am meisten eine Kundenabwanderung zu Versandapotheken, eine zunehmende Zahl von Retaxationen durch die Kassen und den Wegfall der pharmazeutischen Beratung.

Die Sorge um eine Kundenabwanderung ins Online-Geschäft mag nicht ganz unbegründet sein. Von den 5.000 für die Studie befragten Verbrauchern gab rund die Hälfte an, eine digitale Verordnung nicht nur, aber auch online einlösen zu wollen. Die Münchner Unternehmensberatung Dr. Kaske, die die Studie durchführte, prognostiziert eine Umsatzverlagerung durch E-Rezepte „von stationär zu online“ in einer Größenordnung „von über 5,0 Milliarden Euro“ und eine Schließung von rund 7.500 Apotheken bis 2030 – im ungünstigsten Fall.

Der Versandapothekendienst DocMorris wittert denn auch schon zusätzliche Marktanteile und befürwortet eine schnelle Einführung des elektronischen Rezeptes. Idealerweise soll dieses mobil bereitgestellt werden, so dass es schneller zur Versandapotheke abgeschickt werden kann. Bisher werden nur 1,3 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente in Versandapotheken bestellt. Mit der Einführung des E-Rezeptes könnte dieser Anteil auf 10 Prozent ausgebaut werden, so der Chef der Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose, Walter Oberhänsli.

Autor: Thip Pruckner, Market Intelligence Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Ärzte Zeitung online 26.04.2019; DAZ.online 08.05.2019; DAZ.online 07.05.2019; aerzteblatt.de 23.04.2019