Können BCG-Vakzinen zur Überbrückung einer fehlenden SARS-COV-2-Impfung genutzt werden?

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BCG-Impfungen werden in Ländern mit hoher Tuberkuloselast routinemäßig bei Kindern zur Prophylaxe eingesetzt. Schon länger ist bekannt, dass die Bacille Calmette-Guérin Impfung, so der vollständige Name aber weit mehr kann: Die Impfung moduliert das angeborene Immunsystem und führt epigenetisch zu einer Modifikation der für die DNA-Aufwicklung zuständigen Histone. Ähnlich einem Lesezeichen wird bei erneuter Infektion die entsprechende markierte Gensequenz abgelesen und schneller mit der Produktion von immunabwehrenden Proteinen begonnen.

In Studien konnte ein positiver Effekt nicht nur bei Bakterien, sondern auch bei Viren und Hefepilzinfektionen nachgewiesen werden. Dennoch warnt die WHO derzeit vor einem Einsatz, um v.a. Risikoländern wichtige Impfdosen zur Tuberkulose Prophylaxe nicht vorzuenthalten.

In Australien dagegen läuft aktuell eine Studie zur Wirkung von BCG-Vakzinen gezielt gegen COVID-19, um mehr über die Effektivität, Sicherheit und Dauer eines möglichen Schutzes in Erfahrung zu bringen. Erst bei positiven Ergebnissen wäre ein Einsatz z. B. bei medizinischem Personal sinnvoll.

Autor: Anja Fürbach, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: MMW Fortschr Med. 2020; 162 (14), S.19, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/05/22/schuetzt-eine-bcg-tuberkulose-impfung-vor-covid-19, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/04/03/schuetzt-ein-tuberkulose-lebendimpfstoff-vor-covid-19