CO2-Vorgaben bieten Marktchancen

Nach den Zahlen des Umweltbundesamt hat Deutschland im Jahr 2018 869 Millionen Tonnen Treibhausgase erzeugt. Knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr, aber immer noch viel zu viel. Ein großer Teil davon entfiel auf die Braunkohleverstromung. Dass Deutschland die Klimaziele verfehlt, ist bekannt. Wie es aussieht, müssen wir nun dafür wohl erstmals auch eine Strafe zahlen. Konkret stehen für den Zeitraum von 2020 bis 2022 300 Millionen Euro im Raum.

Durch striktere energie- und klimapolitische Vorgaben steigt der Druck in allen Bereichen. Die Umbrüche im Energiemarkt beginnen zu greifen und bieten dabei auch neue Chancen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) spricht von einem Dreiklang aus mehr erneuerbaren Energien, mehr Elektromobilität und mehr Power-to-Gas. Um das Ziel von 65 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 zu erreichen, müssen bis dahin Kapazitäten von 100 GW zugebaut werden. RWE reagiert darauf mit der Gründung der neuen Gesellschaft RWE Renewables und bündelt dort im Rahmen des Deals mit E.ON das Ökostromgeschäft der Konzerntochter Innogy und das von E.ON. RWE wird somit auf einen Schlag zu einem großen Player auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.

Ab 2020 will der Konzern pro Jahr 1,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren und damit jährlich Ökostrom-Kapazitäten von zwei bis drei Gigawatt neu schaffen. Allerdings nicht unbedingt in Deutschland, weil hierzulande Umweltverbände und lange Gerichtsverfahren Windparks und den Netzausbau stark blockieren. Weitere Wachstumschancen für die Energiewirtschaft bietet die Elektromobilität, die auch hier durch strengere EU-CO2-Vorgaben und Strafandrohungen in Schwung kommt.

In Deutschland gibt es mittlerweile 17.400 öffentliche Ladepunkte für E-Fahrzeuge, die zu 75 Prozent von der Energiewirtschaft betrieben werden und bei weitem nicht ausreichen. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage bei Strombezug, Elektrofahrzeugen und Ladelösungen für zuhause. Der Bedarf an Speichertechnologien und Power-to-Gas steigt. Die Nachfrage nach Technologien, die eine verlässliche und stabile Rund-um-die Uhr-Nutzung von grünem Strom in allen Sektoren ermöglichen, wird ebenso wachsen. Umbrüche stehen für Korrekturen von bestehenden Systemen. Sie bedeuten Risiken, aber auch neue Marktchancen.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: BDEW 07.05.2019