ChemCycling™ – Der Kunststoffkreislauf schließt sich

©yokie, stock.adobe.com

Kreislaufwirtschaft, Klimaneutralität und CO2-Fussabdruck sind nur einige Schlagwörter, die mittlerweile jeder kennt und in unserem täglichen Leben eine immer größere Bedeutung gewinnen. Dagegen ist das Gebiet des chemischen Recyclings von Kunststoffen noch relativ neu besetzt. 2019 schrieb ich den ersten Artikel über das Thema. Die BASF hatte sich dem Thema da bereits schon angenommen und das ChemCycling™-Projekt 2018 gestartet. In der Pilotphase hatte man erste Prototypen vorgestellt – dazu gehörten Mozzarella-Käseverpackungen, transparente Kühlschrankelemente und Isolierboxen für sensible Anwendungen. Seitdem hat sich im Bereich des chemischen Recyclings viel getan. Im letzten Jahr sind erste kommerzielle Produkte von Kunden auf den Markt gekommen, wie bspw. Pharmaboxen, Transportschutz- und Lebensmittelverpackungen. Um die Prozesse weiter zu entwickeln, ist die BASF Partnerschaften mit Quantafuel, Pyrum und New Energy eingegangen.

Quantafuel ist ein börsennotiertes Unternehmen aus Norwegen, das sich auf die Pyrolyse von gemischten Kunststoffabfällen und die Reinigung des daraus entstehenden Pyrolyseöls spezialisiert hat. Das Unternehmen möchte aufzeigen, dass chemisches Recycling eine nachhaltige und tragfähige Option für die Kreislaufwirtschaft ist. Im dänischen Skive hat das Unternehmen 2020 die erste größere Recyclinganlage mit einer Jahreskapazität von 20 kt in Betrieb genommen. Das Unternehmen plant nun weitere Anlagen im norwegischen Kristiansund, in Esbjerg, in Antwerpen und Amsterdam. Die Produktionskapazitäten sollen sich pro Anlage auf rund 80 bis 100 kt recycelten Kunststoff belaufen. Mit der BASF plant man eine 100 kt Anlage in Deutschland.

Das Thema des chemischen Recyclings von Kunststoffen nimmt deutlich an Fahrt auf. Das erkennen zunehmend auch andere Chemieunternehmen, wie bspw. Borealis, das erst im letzten Monat eine exklusive Vereinbarung mit Renasci eingegangen ist, aber auch Automobilunternehmen wie Audi. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben zusammen mit Audi am Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ geforscht. Das Ergebnis dieses Projekts kurz zusammengefasst lautete: Das chemische Recycling von gemischten Kunststoffabfällen ist technisch machbar und ökologisch und wirtschaftlich vielversprechend. Die Kunststoffabfälle, die im Automobilbau anfallen, lassen sich zu einem Pyrolyseöl verarbeiten. Dieser so gewonnene neue Rohstoff könnte Erdöl als Rohstoff für die Produktion von Kunststoffbauteilen in Audi-Modellen ersetzen. Audi zählt hier zu den ersten Automobilherstellern, die diese Recyclingmethode mit automobilen Kunststoffabfällen getestet haben.

Die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen wird immer wichtiger, gerade im Hinblick auf eine Chemie 4.0. Das Recycling von Abfällen nimmt hier eine wesentliche Rolle ein und ist aktuell weltweit zu einem unverzichtbaren Thema geworden. Dabei schließt das chemische Recycling von Kunststoffen die letzte Lücke im Recyclingprozess der Kunststoffe, die werkstofflich keine Verwertung finden bzw. die sich mechanisch nicht aufbereiten lassen und somit nur einer energetischen Verwertung zugeführt werden können. Diese Kunststoffe wären im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wertlos, können nun aber durch das chemische Recycling wieder der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden.

SVP geht davon aus, dass in nächster Zeit immer mehr Unternehmen das Thema für sich entdecken werden und wir in Kürze den Bau weiterer Produktionsanlagen für Pyrolyseöl erwarten können.

Autor: Dr. Volkhard Francke, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: BASF Webseite, K-Aktuell 06/2021, Plasticker 12/2020 und 06/2021