Deutschland braucht keine LNG-Terminals

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Die Corona-Krise lässt weltweit die Nachfrage nach Energie sinken. Im März stürzte der Ölpreis erstmals in der Geschichte ins Negative. Besonders schwer hat es aber auch das verflüssigte Erdgas (LNG) getroffen, dass lange Zeit als lukratives Investment galt. Durch Preisverfall und Angebotsschwemme werden immer mehr LNG-Projekt nicht mehr weiterverfolgt.

Auch in Deutschland war LNG ein großes Thema. Die drei ursprünglich in Deutschland vorgesehenen LNG-Terminals sollten die Abhängigkeit von Pipelinegas aus Russland verringern. Aufgrund eines Biotops, das sich unter Wasser am ursprünglich geplanten Bauplatz im Jade-Fahrwasser befindet, kann Uniper das LNG-Terminal in Wilhelmshaven nun nicht wie geplant errichten. Das Ganze wird gelassen aufgenommen, zumal immer mehr Zweifel an der Wirtschaftlichkeit aufkommen und es in Europa schon 36 LNG-Terminals gibt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Schluss, dass weitere neue Flüssiggas-Terminals und auch Gaspipelines in Europa überflüssig sind.

Nach Berechnungen des DIW wird LNG aus den USA im europäischen Markt eine abnehmende Rolle spielen. So werde der Anteil von etwa 30 Prozent im Jahr 2020 auf 20 Prozent im Jahr 2030 sinken. 2040 seien es noch 12 und 2050 geraden einmal 2 Prozent. Durch den Kohleausstieg wird jetzt mehr Gas benötigt. Jedoch ist Gas, über die ganze Wertschöpfungskette betrachtet, nicht viel klimafreundlicher als Kohle und muss mittel- bis langfristig aus dem Energiesystem verdrängt werden. Hinzu kommt, dass erneuerbare Energien und Wasserstoff immer günstiger werden. In einem überversorgten Markt machen die USA mit ihrem Flüssiggas den russischen Pipeline-Erdgaslieferungen Konkurrenz. Europa und insbesondere auch Deutschland werden dabei zum Spielball um Weltpolitik und Geld. Um Klimaschutz geht es dabei nicht. Amerika droht schon lange mit Sanktionen gegen Unternehmen, die bei Nord Stream 2 mitmachen, dabei ist Europa nach China bereits der zweitgrößte Importeur von Flüssigerdgas weltweit.

Wenn man es mit den Klimazielen ernst meint, macht es wenig Sinn, weiter in überdimensionierte Gas-Importinfrastrukturen zu investieren.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Solarify, 21.07.2020