Die Energiewende braucht eine neue Akzeptanzpolitik

Knapp 90 Prozent der Deutschen halten den Ausbau der Erneuerbaren Energien für wichtig. Nichtsdestotrotz ist der Zubau von Wind- und Solarparks in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Dafür gibt es viele unterschiedliche Gründe. Dazu zählt auch eine mangelnde lokale Akzeptanz vieler Projekte. Häufig gibt es eine lautstarke Minderheit der Projektgegner, aber gleichzeitig auch eine Mehrheit der Bevölkerung vor Ort, die eine positive bis neutrale Einstellung gegenüber dem Vorhaben hat. Durch eine zu starke Fokussierung auf die Gegner geht es häufig nicht voran.

Wenn bis 2030 65 Prozent des deutschen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt und bis spätestens 2050 Klimaneutralität erreicht werden soll, muss sich hieran etwas ändern. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat in Zusammenarbeit mit Local Energy Consulting ein Impulspapier verfasst, das eine stärkere Akzeptanzpolitik fordert. Diese muss sich an die Mehrheit der Bevölkerung, die die Energiewende befürwortet, richten. Es wurden fünf Handlungsfelder definiert. An erster Stelle steht ein Neustart der energiepolitischen Erzählung, bei der die energiepolitischen Ziele von der Politik immer wieder erklärt und überzeugend dargestellt werden müssen. Ferner muss eine lokale Wertschöpfung der Anlagen zur Normalität werden.

Es muss eine wirtschaftliche und soziale Einbindung von Bürgern sowie von Kommunen in die Projekte geben. Frühere Fehlsteuerungen, die zu einem Rückgang von Bürgerenergieprojekten geführt haben, wie z. B. die Ausschreibungsverfahren, müssen korrigiert werden. Es gilt, bessere Marktmöglichkeiten für Prosumer- und Energy-Sharing zu schaffen. Im Allgemeinen müssten die Prozesse für die Bürger transparenter werden und es muss mehr Unterstützung mit Informationen geben, so die Autoren der Untersuchung.

Schließlich ist eine faire Flächenplanung eine weitere Grundvoraussetzung sowie ein vom Bund vorgegebener klarer Planungshorizont, wodurch die Bürger frühzeitig und besser eingebunden werden können.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Bizz Energy, 02.07.2020

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