Digitale Marktplätze der deutschen Industrie auf dem Vormarsch

Digitale B2B-Plattformen haben sich in den traditionellen Strukturen des deutschen Verarbeitenden Gewerbes etabliert. In den letzten Jahren haben deutsche Unternehmen zunehmend in den Aufbau eigener Plattformen investiert und integrieren diese in ihr Leistungsportfolio. Darunter zählen neben traditionsreichen Unternehmen wie beispielsweise Volkswagen, Bosch und Siemens auch viele mittelständische Unternehmen. Laut einer Studie vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) nutzten 30 Prozent der Industriebetriebe Deutschlands bereits im Jahr 2018 sogenannte Transaktions-Plattformen für den digitalen Produktvertrieb oder IoT-Plattformen für digitale Dienstleistungen in der Produktion. Neun Prozent der erfassten Unternehmen nutzten sogar beide Plattformtypen. 
In Sachen B2B-Handel bzw. Industrie-Einkaufsplattformen sind die Aussichten der deutschen Industrie vielversprechend; auch weil kaum Konkurrenz aus dem Silicon Valley droht.

Die zwei Start-ups XOM und Chemondis sind zwei der schnell wachsenden digitalen Handelsplattformen, mit denen die deutsche Industrie die Disruption der Verkaufsprozesse bzw. die Digitalisierung des B2B-Handels selber in Angriff nehmen will. XOM – ansässig in Duisburg in einem Industriegebäude zusammen mit weiteren Start-ups – ist physisch weit entfernt von den Stahlwerken im Ruhrgebiet. Die Chemie-Onlineplattform Chemondis sitzt nicht in einem Chemiepark, sondern ganz zentral in Köln. Abgewickelt wurden über letztere 5.000 Transaktionen im Warenvolumen von 200 Millionen Euro seit ihrem Start. Und was besonders interessant ist: Hinter ihnen stehen keine milliardenschweren Investorenfonds, sondern namhafte Industriefirmen wie Klöckner (XOM) und Lanxess (Chemondis). Und auch Evonik baut einen Onlinemarktplatz namens OneTwoChem auf.

Die Entwicklungsdynamik erscheint uns besonders spannend. Noch laufen beispielsweise in der Chemie-Branche 80 Prozent der Verkäufe offline ab.

Autor: Cecilia Atristain, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Handelsblatt, 11.02.2020; Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), 05.11.2019
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