Digitaler Abbruch – Bauwirtschaft

Die Baubranche boomt – und immer öfter muss Altes Neuem weichen. In alten Gebäuden stecken jedoch zum Teil wertvolle Ressourcen, die durchaus wiederverwertet werden könnten und – vor allem auch in Anbetracht von mangelndem Deponieraum – auch wiederverwendet werden sollten.

Zwar hält die Baubranche seit vielen Jahren eine Recycling-Quote von über 90 Prozent, dennoch gelten Recycling-Baustoffe rechtlich weiterhin als Abfall. Und obwohl Recycling-Baustoffe wirtschaftlicher sind, werden beispielsweise bei öffentlichen Aufträgen die teureren Primärbaustoffe gewählt, bei denen sämtliche Umweltprüfungen und Einbaubeschränkungen entfallen. Einen möglichen Ansatzpunkt für dieses Problem zeigt das Forschungsprojekt des Labors für Baumaschinen an der TH Köln zum optimierten Abbruch von Gebäuden. Dies soll es ermöglichen, Bauschutt leichter sortenrein zu trennen und damit die Recyclingquote zu erhöhen. Damit könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung mit Primärbaustoffen unternommen werden: d. h., ein uneingeschränkter Produktstatus für güteüberwachte Recycling-Baustoffe und Böden. Die abzureißenden Objekte werden mit Sensoren abgetastet und die Ergebnisse mit den Bauplänen abgeglichen. So können die Maschinenführer während des Abbruchs Informationen darüber erhalten, an welcher Stelle problematische Materialen verbaut wurden. Um möglichst sortenreinen Bauschutt zu erhalten erhält der Maschinenführer zudem auf seinem Display Anweisungen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Teile abzureißen sind. Da das Gebäude im Vorfeld gescannt und erfasst wurde, kann auch errechnet werden, wie viele Tonnen bestimmter Materialen anfallen und zu welchem Zeitpunkt sie voraussichtlich abtransportiert werden müssen.
Dadurch würde die Logistik auf der Baustelle wesentlich erleichtert und Kosten eingespart werden.

Autor: Yvonne Jacoby, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Detail Research (23.03.2019), BMU Abfallwirtschaft in Deutschland 2018, Deutsche Handwerkszeitung (04.07.2018)