Digitalisierung: F&E schneller und effizienter gestalten

Die Forschungsbudgets der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland steigen kontinuierlich an und erreichen seit 2015 jedes Jahr neue Höchststände. Im letzten Jahr wurde vermutlich erstmals die Grenze von 11 Milliarden Euro überschritten. Berücksichtigt man nur die Chemie-Industrie, so erreichen die Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E) mehr als 4 Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich erreicht Deutschland eine hohe F&E-Intensität. 2017 waren die 15 größten deutschen Chemie-Unternehmen für rund 14 Prozent der weltweiten F&E-Ausgaben verantwortlich. Hingegen ging in den letzten Jahren der Anteil kleinerer und mittlerer Unternehmen, die Innovationsaktivitäten durchführen, in Deutschland zurück. Und dennoch ist mit 64 Prozent der Anteil innovativ tätiger Chemie-Unternehmen höher als in jeder anderen Industriebranche in Deutschland und der höchste in der europäischen Chemieindustrie. Deutschland zählt zu den besten Innovationsstandorten weltweit. Im Ranking des Worldeconomic Forum beispielweise belegt man aktuell bei der Innovationsfähigkeit Platz 1 unter 140 Länder. Und dennoch darf man sich nicht ausruhen, denn der Innovationswettbewerb hat sich in den letzten Jahren erhöht und der Wettbewerbsvorsprung des Chemie-Forschungsstandorts Deutschland schrumpft.

Die Industrie wird zukünftig nicht nur auf Euros, sondern vor allem auch auf Bit und Bytes setzen müssen. Die Digitalisierung ebnet durch das systematische Erheben großer Datenmengen neue Wege, um die Innovationsfähigkeit zu stärken. Die exponentiell gestiegene Rechnerleistung beschleunigt die Forschung und die Entwicklung neuer Chemikalien und ermöglicht eine erheblich größere Variantenvielfalt für chemische Reaktionen und Produkt-formulierungen. Der Einsatz digitaler Technologien erlaubt neue Forschungsansätze in der Chemie. Die Analyse von unstrukturierten Massendaten mit Hilfe der künstlichen Intelligenz erleichtert die Suche nach neuen Verbindungen. Neue digitale Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sind eine wesentliche und nützliche Quelle für zukünftige Innovationen in der Chemieindustrie. Mit Hilfe der Digitalisierung lässt sich F&E schneller und effizienter gestalten.

Autor: Dr. Volkhard Francke, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: www.vci.de

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