Energiebänder – Ein intelligentes Konzept in die Praxis umsetzen

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„Es soll kein Kilometer Autobahn mehr geplant werden, ohne die Möglichkeiten der Erzeugung erneuerbarer Energien auszuschöpfen“, so steht es im Beschluss der Ampel-Regierung.

Doch wie soll das gehen?

Schon jetzt stünden entlang der sehr eng geplanten Trassen kaum genügend Flächen zur Verfügung und Windräder müssen viel Abstand halten, kritisieren Verbände. Um 1.000 TWh Strom aus Fotovoltaik und Windkraft zu produzieren, bräuchten wir die dreifache Fläche des Saarlandes.

Dass es eine intelligente Lösung geben könnte, zeigt das Konzept der Energiebänder der Stiftung „Altes Neuland“ aus Frankfurt. Man beschränkt sich dabei nicht auf den Neubau, sondern auf das gesamte bestehende Netz von Autobahnen und Bundesstraßen. Immerhin ist das Netz der deutschen Autobahnen 13.000 Kilometer lang und auf beiden Seiten gleich das Doppelte.

An den Masten rechts und links der Trassen wird Fotovoltaik installiert und in windreichen Gegenden durch Kleinwindanlagen ergänzt. Im Boden verlaufen parallel hierzu Hochstromkabel, die mit Umspannstationen vernetzt werden. Um das Landschaftsbild in sensiblen Bereichen zu schonen, kann man die Masten aussetzen und nur das Stromkabel weiterlaufen lassen.

Man könnte bereits jetzt nach und nach mit der Umsetzung beginnen, denn die Installation ist einfach und bedarf keiner komplizierten Statik. Es muss nichts neu entwickelt werden. Alle Techniken und Komponenten sind vorhanden. Serielle Bautechniken, die keine großen Baustellen erfordern, sind denkbar. Der beanspruchte Streifen gehört bereits der öffentlichen Hand, was die Verfahren immens vereinfacht.

Die Energiebänder erzeugen dezentral Strom, den sie zu Verbrauchern oder Speichern transportieren. Das Prinzip verkürzt nicht nur die Verteilerstrecken, sondern dient strukturell auch dem Ausgleich an Volatilität bei Erzeugung und Verbrauch. Wenn sich Abnehmer mit unterschiedlichen Verbrauchsprofilen entlang der Strecke befinden, ist die Chance größer, dass sich in Summe eine gleichmäßigere Stromabnahme ergibt.

Auch bei der Erzeugung ergibt sich durch die Strecken einen Volatilitätsausgleich. Während es in einer Gegend regnet, kann einige Kilometer entfernt schon wieder die Sonne scheinen. Die beste Ergänzung zur Fotovoltaik ist Windstrom, der auch nachts und im Winter erzeugt wird. Verbindet man regional Fotovoltaik mit Windkraft, könnte im Kleinen eine regionale Autarkie entstehen, zumal die Energiebänder auch Strom von anderen, dezentralen Erzeugern aufnehmen können. Es könnte, begleitet mit Glasfaserausbau, ein Internet der Energie entstehen.

Deutschland verbraucht derzeit pro Jahr rund 560 TWh Strom. Nach Berechnungen soll der Bedarf bis 2050 auf 2.400 TWh steigen, wenn flächendeckend Elektromobilität und Wärmepumpen hinzukommen. Um von Energielieferungen unabhängiger zu werden, muss in Deutschland mehr Strom produziert werden.

Die Erklärungen der Regierung helfen zu wenig. Es wäre eine konkrete praktische Herangehensweise notwendig. Wir müssen den Schritt von der Theorie in die Praxis wagen. Die Konzeptionsphase der Energiebänder ist abgeschlossen und es gibt bestimmt noch diverse andere intelligente Konzepte und Ideen.

Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert

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