Energiewende-Index: Engpässe bei der Stromversorgung nicht ausgeschlossen

Dass Deutschland seine selbst gesteckten Energiewendeziele nicht erreicht ist nichts Neues. Im aktuellen Energiewende-Index der der Unternehmensberatung McKinsey werden jetzt aber auch Gefahren für eine sichere künftige Stromversorgung in Deutschland genannt. Dies gilt ab dem Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 und dem danach folgenden schrittweisen Ausstieg aus der Kohle. Besonders von möglichen Blackouts gefährdet sind dann insbesondere die west- und süddeutschen Industrieregionen. Schon jetzt kommt es ab und an zu kritischen Situationen. Wie im Report beschrieben, wurden z. B. im Juni an drei Tagen erhebliche Unterspeisungen festgestellt. In der Spitze sollen bis zu 6 GW gefehlt haben, so viel Strom wie theoretisch sechs Großkraftwerke liefern können. Nur schnelle Stromimporte aus unseren Nachbarländern konnten das Stromnetz wieder stabilisieren. Bei solchen Versorgungsengpässen springt der Regelenergiepreis extrem in die Höhe.
Insbesondere der schleppende Ausbau der Stromnetze in Deutschland macht die Sache brisant. Bis zum ersten Quartal 2019 wurden gerade einmal 1.087 Kilometer der geplanten rund 3.600 Kilometer fertiggestellt. Keine Frage, dass das viel schneller gehen müsste, um Strom vom Norden in den Süden zu transportieren und die Windenergie weiter ausbauen zu können. Das alles kostet viel Geld, das letztendlich der Verbraucher bezahlen muss. Nach den vorliegenden Daten liegt der Preis für Haushaltsstrom in Deutschland 45 Prozent über dem Durchschnitt in Europa und besteht zu 54 Prozent aus Umlagen. Verschiedene Experten befürchten, dass sich unser Land ab 2023 vom Stromexporteur zum Stromimporteur entwickeln wird. Zumal die bestehen Mankos nicht so schnell behoben werden können. Keine Frage, der Kohleausstieg ist gut für das Klima, aber auf der anderen Seite auch riskant und teuer. In letzter Zeit wurden nun sogar Stimmen laut, über eine Verlängerung der Laufzeiten der verbliebenen Kernkraftwerke nachzudenken. Mit der einst propagierten Vorbildfunktion Deutschlands bei der Energiewende sieht es düster aus.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: McKinsey, 05.09.2019

Bild: pixel2013, pixabay.com