Erdgas klimafreundlich oder klimafeindlich?

Die Nachfrage nach Erdgas wird bis 2040 die höchsten Wachstumsraten verzeichnen. Es soll die Lücke füllen, die beim Ausstieg aus der Kohle und der Kernkraft entsteht, denn die kann nicht allein von den erneuerbaren Energien geschlossen werden. Auf der Angebotsseite stärken die USA mit ihrem anhaltenden Schiefergas-Boom das weltweite Wachstum der Gasproduktion. Der größte Teil der neu hinzukommenden US-Produktion wird auf den Export als LNG ausgerichtet sein. Eine Vertiefung der Energiebeziehungen zwischen Europa und Russland kommt den USA da nicht sehr gelegen. Das zeigen die Drohgebärden gegen die Erdgaspipeline Nordstream 2. Weil Erdgas bei der Verbrennung nur halb so viele Treibhausgase wie Kohle produziert, wird es als klimafreundlicher Energieträger bezeichnet. Das greift zu kurz, denn man sollte sich schon die gesamte Erdgas-Wertschöpfungskette anschauen.

Umweltverbände haben das getan und protestieren jetzt gegen die geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven. Sie sind darauf ausgelegt, US-Fracking-Gas zu importieren, das in seiner Klimabilanz auch nicht unbedingt besser ist als Kohle. Bei seiner Gewinnung wird Gestein mit Hilfe von Druck und Chemikalien aufgesprengt, um Öl und Erdgas freizusetzen, das hauptsächlich aus Methan besteht. Dabei kann nicht alles aufgefangen werden, so dass deutlich mehr Methan in die Atmosphäre entweicht, als bei anderen Gewinnungsmethoden. Das belegen Studien von US-Wissenschaftlern, die herausgefunden haben, dass 60mal so viel entweicht als ursprünglich von der Umweltschutzbehörde EPA veranschlagt. Gaslecks in Pipelines lassen sich relativ leicht abdichten, Fracking-Felder nicht. Methan ist ein noch viel stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Über einen Zeitraum von zehn Jahren heizt ein Molekül Methan die Atmosphäre 86mal so stark auf wie ein Molekül Kohlendioxid. Ein Bericht von Oil Change International warnt davor, dass der Fracking-Boom in den USA die Welt weiter in eine Klimakatastrophe treiben wird. In der Politik geht es in Sachen Gas nur um Ost und West. Die Umwelt findet keine Erwähnung.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: SVP Research
priceofoil.org/2018/06/11/debunked-g20-clean-gas-myth/