Hürden für das Ridepooling

In unseren überlasteten Großstädten werden neue Verkehrskonzepte dringend gebraucht. Ein solches Konzept ist das Ridepooling. Dabei werden automatisch Fahrgemeinschaften zwischen Fahrgästen gebildet, die ein ähnliches Ziel haben. Die Fahrt und der Preis werden so effizient geteilt. Natürlich achtet das System darauf, dass sich die Fahrzeiten für den Einzelnen nur um wenige Minuten erhöht, lange Umwege werden ausgeschlossen. Die Fahrgäste buchen eine Fahrt über die App, werden von professionellen Fahrern abgeholt und bezahlen entweder in bar, per Kreditkarte, PayPal oder App-Guthaben. Durch die Bündelung der Fahrgäste wird der Verkehr reduziert und die Luft in den Städten verbessert. Ideal ist es, wenn dabei ausschließlich mit Ökostrom betriebene Elektro- und Wasserstofffahrzeuge eingesetzt werden. Moia ist die neue Marke von VW, die der Autokonzern im Bereich Ridepooling etablieren will, und hinter dem Wettbewerber CleverShuttle steht mittlerweile die Deutsche Bahn, die den Fahrdienst-Markt weiter ausbauen will. Bundesverkehrsminister Scheuer will den gesetzlichen Rahmen für solche neuen Verkehrskonzepte öffnen, denn derzeit sind die smarten Kleinbusse, die in über 20 deutschen Städten getestet werden, nur mit einer Ausnahmegenehmigung unterwegs. Das Personenbeförderungsgesetz müsste geändert werden, doch es regt sich Widerstand. Nicht nur Taxifahrer protestieren gegen die drohende Konkurrenz, auch Städte wie Stuttgart wollen die Expansion solcher Flotten verhindern, um den eigenen ÖPNV zu schützen. Eine Mischung aus Bus und Taxi, rund um die Uhr verfügbar und digital vernetzt, flexibel und sehr effizient: so könnte die Zukunft aussehen. Doch die bestehenden Verkehrsunternehmen wollen das Feld nicht kampflos neuen Wettbewerbern überlassen. Hinzu kommt auch noch die bestehende „Rückkehrpflicht für Mietwagen“, die auch für das Ridepooling gilt. D. h., dass die Fahrzeuge, wenn sich keine neuen Fahrgäste angemeldet haben, zur Firmenzentrale zurückfahren müssen und nicht spontan jemanden mitnehmen dürfen. Solche Leerfahren sind werden ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Vision Mobility, 30.04.2019