Humanoider Serviceroboter Pepper mit mehr Anwendungsmöglichkeiten

Bereits zum vierten Mal ist der inzwischen fünf Jahre alte humanoide Roboter Pepper auf Welttour. Im Gespräch mit ihm merkt man, das Pepper nun schneller reagiert, seinen Gesprächspartner präziser erkennt und, falls eine cloudgestützte Chatbot- oder KI-Anwendung implementiert ist, auch wesentlich intelligenter antwortet. Einer der Hauptgründe hierfür war die Entwicklung eines Plug-in, welches die vollständige Integrierung der Pepper SDK in die Entwicklungsumgebung von Android ermöglicht. Davor war man für die Softwareimplementierung oder Ansteuerung der Sensoren auf eine Python-Oberfläche angewiesen.

Das Design von Pepper basiert auf dem Effekt des „Uncanny Valley“. Dieser besagt, dass Menschen Maschinen oder Objekten mehr Vertrauen entgegenbringen, je menschlicher sie wirken. Wirkt das Objekt jedoch zu menschlich, wird es von Menschen abgelehnt.
Einsatz finden Pepper sowie sein kleiner Cousin NAO hauptsächlich in der Forschung und Bildung. Pepper findet aber auch immer mehr Anwendungen auf dem Markt. So setzt beispielsweise die Kreissparkasse Köln in einigen Filialen Pepper-Roboter ein, mit dem Ziel, die Kunden wieder zurück in die Filialen zu holen.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit für Pepper liegt im Einzelhandel. Laut einer Datenauswertung von raumCode würden knapp ein Zehntel (9,3 Prozent) der Kunden im Laden ohne Bedenken mit Pepper interagieren. Zudem könnten sich ca. 62 Prozent vorstellen, ein komplettes Beratungsgespräch mit Pepper zu führen, da er, im Gegensatz zu menschlichen Verkäufern, nicht den Eindruck vermittelt, dass er etwas aufschwatzen möchte.

Ein weiterer Bereich, in dem Pepper vermehrt Einsatz findet, ist die Pflege. Hier herrscht in Deutschland laut aktuellen Angaben mit 40.000 unbesetzten Stellen großer Personalmangel. Daher testet die Caritas an einigen ihrer Sozialstationen, wie z. B. der Sozialstation Erlenbach, in einem zweijähriges Pilotprojekt den Einsatz von Pepper. Wegen seiner eingeschränkten physischen Konditionen – seine maximale Nutzlast liegt bei gerade einmal 0,5 kg – kann er aktuell keine Pflegekräfte komplett ersetzten, sondern nur unterstützend, z. B. in der Unterhaltung der Senioren und bei administrativen Aufgaben der Pflegekräfte, tätig sein.

Autor: Silke Hänisch, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Pepper: Humanoider Roboter als Bankangestellter, Verkäufer und Pfleger, Elektronikpraxis 18.06.19

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