Kohleausstieg und Kohleboom

Europa will sich schnell von schmutziger Kohle-Energie verabschieden. Das Bundeskabinett hat Ende Januar das Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung beschlossen. Dieses sieht vor, dass bis 2038 alle Kohlekraftwerke von Netz gegangen sind. Bis Ende 2022 sollen zunächst acht besonders alte Braunkohlekraftwerke bei Köln abgeschaltet werden. Bis 2029 folgen zehn weitere Kraftwerke im Alter zwischen 40 und 50 Jahren in den ost-und westdeutschen Braunkohlerevieren. Insbesondere die Braunkohleverstromung ist ein bedeutender Faktor für die CO2-Emissionen. 2018 basierte jede vierte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom auf dem Einsatz heimischer Braunkohle. Der vorgelegte Gesetzentwurf stößt bei Umweltexperten auf Kritik, weil nach ihrer Einschätzung die Maßnahmen für den Schutz des Klimas nicht ausreichen. Dabei ist zu beachten, dass Deutschland sowohl aus der Kohle- als auch aus der Kernenergie aussteigt. Das ist die deutsche Problematik, in anderen Regionen der Welt sieht die Situation für den Klimaschutz noch viel brisanter aus. Nach einer aktuellen Studie des Mercator Institute on Global Commons and Climate Change könnten in Subsahara-Afrika bis zum Jahr 2025 neue Kohlekraftwerke mit einem jährlichen Ausstoß von 100 Millionen Tonnen CO2 in Betrieb gehen. Dies entspricht in etwa 40 Prozent dessen, was deutsche Kohlekraftwerke emittieren. Wenn nicht gegengesteuert wird, errichten dort chinesische und indische Kraftwerkbauer neue Kohlemeiler, die dann jahrzehntelang betrieben werden. Es gilt, dieser Region massiv und schnell zu helfen, um erneuerbare Energien als alternative Energieversorgung attraktiv zu machen. Auch in Asien geht ein Kohlekraftwerk nach dem anderen ans Netz. Unter anderem deswegen, weil Russland Unmengen Kohle dorthin liefert. Reduktionen in Deutschland und Europa werden damit sehr schnell egalisiert, was das Klima nicht rettet. Es braucht eine weltweite Klimapolitik, die auch die wirtschaftliche Entwicklung ärmerer Länder im Blick haben muss.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Energiewirtschaftliche Tagesfragen, 19.12.2019
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