Kühlungsbedarf heizt den weltweiten Energieverbrauch an

Wie sich der Klimawandel weltweit auf den Energieverbrauch auswirkt, dieser Frage sind Wissenschaftler der Ca’ Foscari Universität Venedig nachgegangen. Nach den Ergebnissen der Untersuchung könnte sich bei einem ungebremsten Klimawandel der weltweite Stromverbrauch in den nächsten 30 Jahren um bis zu 58 Prozenterhöhen und bei einer gemäßigten Erwärmung immerhin noch um bis zu 27 Prozent. Durch den Klimawandel wird insbesondere durch einen vermehrten Einsatz von Kühlanlagen eine Auswärtsspirale in Gang gesetzt. Weltweite Schätzungen gehen davon aus, dass durch Klimaerwärmung und wachsenden Wohlstand der Kühlbedarf den Wärmebedarf im Jahr 2050 weltweit übersteigen wird. Gleichzeitig aber verringern milde Winter den Energiebedarf für das Heizen in kälteren Regionen. Dies gilt für Mittel- und Nordeuropa, Russland sowie Teile Kanadas und den Norden der USA.
Die sinkende Zahl kalter Tage im Winter führt zu Einsparungen beim Heizen, die den steigenden Kühlungsbedarf im Sommer ausgleichen oder sogar übertreffen. Anders dagegen in den Tropen, aber auch im Süden der USA. Hier könnte nach den Forschern der Energiebedarf durch die zunehmende Hitze um mehr als 50 Prozent zusätzlich ansteigen. Im Mittleren Osten und in Afrika werden dadurch 147 bis 446 Millionen Menschen großen Anpassungsherausforderungen gegenüberstehen. Bas van Ruijven, Hauptautor der Studie erklärt, dass „je geringer das Durchschnittseinkommen eines Landes pro Person ist, desto größer der Anteil ist, den Familien beitragen müssen, um künftige Energiezuwächse auszugleichen“. Das heißt, dass sich der Energiebedarf künftig deutlich verschieben wird. Die reichen Länder der gemäßigten Breiten, vor allem Westeuropa, die USA, Japan und China können profitieren, während arme Länder die Hauptlast tragen.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Forschung und Wissen 26.06.2019

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