Lithium – Weißes Gold vom Oberrhein

Alexander Schimmeck, umsplash.com - Salzernte in Bolivien

Die Elektromobilität nimmt Fahrt auf, die Zulassungszahlen steigen. Damit steigt die Nachfrage nach Lithium-Akkus. Sie stecken mittlerweile überall drin, nicht nur in Elektroautos, sondern auch in Handys, Laptops und mehr. Eine Alternative zu Lithium wären Natrium-Ionen-Akkus, die aber in Sachen Leistung und Energiedichte noch nicht mit den Lithium-Akkus mithalten können. Bis zu 40 kg Lithium enthält der Akku eines Elektroautos. Der Ausbau der Elektromobilität ist damit verantwortlich für den Anstieg des weltweiten Lithiumbedarfs, der sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat und sich Prognosen zufolge bis 2025 noch einmal verdoppeln wird.

Denkt man an den Lithiumabbau, so fallen Salzseen in Südamerika ein und indigene Völker, deren Lebensweise gefährdet ist. Über 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven lagern im sogenannten Lithiumdreieck zwischen Argentinien, Bolivien und Chile. Doch es kommen neue Gebiete hinzu. Mittlerweile ist Australien, wo das Lithium bergmännisch gefördert wird, der weltweit größte Exporteur. Die höheren Gewinnungskosten werden durch kürzere Transportwege zu den chinesischen Batteriefabriken wieder wettgemacht.

Doch was ist mit dem Lithium für die Batterieproduktion in Europa? Lithiumvorkommen liegen auch vor unserer Haustür. Geothermal könnten aus Schichten des Oberrheingrabens Mengen gewonnen werden, die für schätzungsweise 400 Millionen Autos ausreichen. Die Gegend zwischen Frankfurt und Basel hat Potenzial zum drittgrößten Lithium-Produzenten der Welt zu werden. Vulcan Energy Resources aus Karlsruhe will hier im industriellen Maßstab bis 2024 in zwei Anlagen 15.000 Tonnen Lithium-Hydroxid gewinnen. Von 2025 an plant die Firma weitere Anlagen, um 40.000 Tonnen zu produzieren. Nötig dafür sind Investitionen in Höhe von schätzungsweise 1,7 Milliarden Euro, weshalb Vulcan einen Börsengang in Erwägung zieht.

Interessenten auf der Abnehmerseite gibt es bereits von LG Chem und Renault. Der französische Autobauer will bei Batterien für seine Elektroautos auf Lithium aus Deutschland setzen und hat einen Abnahmevertrag von bis zu 17.000 Tonnen Lithium jährlich ab 2026 geschlossen. Die Ökobilanz der Batterieproduktion wird weniger belastet, da die geothermische Lithium-Gewinnung im Oberrheingraben keine CO2-Emissionen verursacht und die Transportwege kurz sind.

Beim Förderverfahren wird lithiumreiches, heißes Thermalwasser aus Tausenden Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt, wobei auch nutzbare Wärme und Strom entstehen. Das Lithiumhydroxid wird aus dem Wasser extrahiert, das dann in die Tiefe zurückfließt. Das klingt einfach, ist es aber nicht, da das Thermalwasser nicht nur Lithium, sondern auch andere Elemente enthält, was aber die Extraktion erschwert. Die Lithiumproduktion in Deutschland könnte eine Zukunft haben, wenn das Ganze wirtschaftlich zu betreiben ist und keine Schäden, z.B. an Gebäuden zu erwarten sind. Immerhin lag der Preis für eine Tonne Lithiumkarbonat bereits im Juli 2020 bei fast 30.000 Dollar und dürfte weiter steigen, da der Wandel zum Elektroauto erst am Anfang steht.

Autorin: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Electrive.net, 02.08.2021, Inside EVs, 28.04.2021