Drug Delivery: Medikamentengabe mittels geschupptem Stent

©MIT, Kirigami-Stent-02-Press, https://news.mit.edu/

Was aussieht wie eine japanische Bastelkunst, ist die neuartige Vision eines Drug Delivery Systems speziell für schlauchförmige Organe wie z. B. die Speiseröhre. Das Team um Giovanni Traverso vom amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichtet im Fachmagazin »Nature Materials«, wie sie auf die Idee mit den Schuppen gekommen sind.

Vorbild ist tatsächlich die japanischen Papierkunst Kirigami bei der – anders als beim klassischen Origami – auch die Schere zum Einsatz kommen darf. Die Grundstruktur besteht aus einem mehrere Zentimeter langen Gummischlauch, der mit einer zusätzlichen Polymerschicht bestückt wurde. In diese äußere Schicht wurden Schuppen geschnitten, wodurch das Ganze an eine Schlangenhaut erinnert. Am Ende der einzelnen Schuppen befinden sich nadelartige Gebilde, die mit Mikropartikeln gefüllt sind.

Wird der innere Schlauch nun z. B durch Druckluft gedehnt, stellen sich die Schuppen gezielt auf und die Nadelspitzen können ihre Wirkstoffe freisetzen. Im Tierversuch konnte auf diese Art und Weise eine gezielte Kortisonbehandlung erreicht werden. Nach erfolgter Freisetzung kann der Stent auch wieder entfernt werden, die Wirkung des Kortisons war noch ca. eine Woche nachweisbar. Giovanni Traverso hofft, dass auf diesem Weg z. B. Patienten mit Morbus Crohn geholfen werden könnte, da durch die gezielte lokale Therapie schwerwiegende Nebenwirkungen verringert und die Behandlung optimiert werden könnte.

Autor: Anja Fürbach, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: https://www.spektrum.de/news/moderne-medizin-medikamente-ueber-einen-geschuppten-schlauch/1885804
Bild: ©MIT, Kirigami-Stent-02-Press, https://news.mit.edu/