Deutschland verliert bei medizinisch genutzter Genomsequenzierung den Anschluss

Anders als in Großbritannien fehlt in Deutschland eine nationale Strategie zur Genom-Medizin. Während dort zwischen 2012 und 2018 insgesamt schon 84.00 Genome sequenziert wurden, liegt die Anzahl der im Rahmen des wissenschaftlich geförderten Projektes e:Med in Deutschland durchgeführten vollständigen Sequenzierungen bei gerade mal 1.100.

Während die führenden Länder Hunderte von Millionen investieren – China untermauert seinen Anspruch als Weltmarktführer sogar mit 7 Milliarden, hadert man in Deutschland mit Datenschutz und strukturellen Fragen zur Interoperabilität. Bei der European Alliance for Personalized Medicine Initiative – hier haben sich 13 europäische Länder bereit erklärt, bis 2022 mindestens eine Million Genome zu sequenzieren, länderübergreifend zu speichern und für die Analyse zugänglich zu machen – nimmt Deutschland nur mit Beobachterstatus teil. Führende Forscher halten das für bedenklich und falsch, da Deutschland so jeglichen Einfluss auf die Gestaltung europäischer Genomdatenbanken verliere.

Dabei sind der Zeitaufwand und auch die Kosten für die vollständige Genomanalyse in den letzten Jahren enorm gesunken. In Deutschland verfügen vier universitäre Standorte (Tübingen, Dresden, Kiel und eine Kooperation der Universitäten Köln/Bonn/Düsseldorf) über die neueste Generation der Hochdurchsatz-DNA-Sequenziergeräte. Jedes der dortigen Geräte hat eine Kapazität von 6.000 Genomanalysen pro Jahr.

Autor: Anja Fürbach, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1215; www.dfg.de

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