Wie können wir uns eine Personalisierung der Medizin überhaupt leisten?

Das ist die große Frage. Möglich sind in der Zwischenzeit individualisierte Gentherapien für eine Reihe von Krankheiten, für die bisher keine oder keine annähernd aussichtsreiche Therapie zur Verfügung stand. Doch die Kosten dafür sind immens. Denn individualisiert ist gleichbedeutend mit wenigen Patienten, auf deren Schultern die Herstellungskosten und Risiken der Entwicklung abgewälzt werden müssten. Vordergründig trifft dies Medikamente gegen seltene Erkrankungen und Krebs.
Pay-for-Performance (P4P) lautet das neue Schlagwort, das einen Ausweg aus der Misere weisen soll.
Doch so einfach wie gedacht ist das Messen der Performance im Alltag nicht, z. B. dann, wenn nicht eindeutig zwischen gesund und krank unterschieden werden kann, etwa bei chronisch Kranken. Welche Parameter könnte alternativ herangezogen werden: Lebensqualität, Gesamttherapiekostenreduktion (z. B. durch Verringerung von Kosten für Krankenhausbehandlungen) oder andere? Wie kann ausgeschlossen werden, dass für Performance gezahlt werden muss, obwohl diese eventuell nur kurzfristig anhält? Beispiel Kymriah®: hier wurde als Ziel die komplette Remission nach einem Monat vereinbart. Was ist, wenn der Patient binnen kurzer Zeit danach ein Rezidiv entwickelt? Oder umgekehrt: der Patient verstirbt binnen kurzer Zeit, allerding nicht aufgrund der Einnahme des Medikaments, sondern durch ein davon unabhängiges Ereignis.
Eine Verständigung über individuelle Performanceziele sehen Experten derzeit als fast unlösbar an und verweisen auf die unsäglichen Diskussionen um primäre Endziele für klinische Studien im Rahmen der Arzneimittelzulassung. Selbst hier ist eine Verständigung oft sehr mühsam. wie aufwendig wäre erst ein Prozess, an dem alle beteiligten Gruppen – Ärzte, Patienten, Hersteller und Krankenkassen – teilnähmen?

Autor: Anja Fürbach, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: Deutsches Ärzteblatt Jg. 116 Heft 6, 8. Feb. 2019. https://www.aerzteblatt.de

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