Power-to-X-Technologien (PTX) kommen für die Erreichung der Klimaziele zu spät

Häufig ist man von neuen Technologien begeistert, insbesondere wenn sie Lösungen für die drängenden Klimaprobleme liefern könnten. Das gilt auch für PTX, künstlich hergestellte Gase, Flüssigkeiten oder Chemikalien, die als Energiespeicher dienen. Immer mehr Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Deutschland die für 2030 selbst gesteckten Klimaziele ohne den Einsatz dieser Technologien erreichen muss. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Entwicklung hin zur Marktreife sowie der Hochlauf von PTX wohl zu lange dauern wird, als dass sich bis 2030 positive Effekte einstellen könnten. Nach Christian Küchen, Sprecher der Power-to-X-Allianz, werden in den kommenden zwei bis drei Jahren erst erste Anlagen im Kleinmaßstab in Betrieb gehen. Um diese größer zu skalieren wird voraussichtlich eine Planungszeit von weiteren fünf Jahren erforderlich sein. Das Ganze wird auch nicht in Deutschland stattfinden, da hierzulande die Stromkosten dafür viel zu hoch wären.
PTX basiert auf Wasserstoff, der künstlich gewonnen werden muss. Solange der nötige Strom für den extrem energiereichen PTX-Prozess nicht aus erneuerbaren Energien stammt, wäre die CO2-Bilanz ohnehin viel zu schlecht. Außerdem muss geklärt werden, aus welchen Quellen das für die Herstellung von Methan oder E-Fuels erforderliche CO2 am besten stammen könnte. Wie es aussieht, wird es wohl so schnell nichts mit einer eigenen PTX-Produktion in Deutschland werden. Es liegt auf der Hand, dass Deutschland Wasserstoff oder die weiterverarbeiteten E-Fuels aus dem Ausland importieren werden muss. Nach Martin Hablutzel, Leiter für die Konzernstrategie bei Siemens Australien, kommt australischer Wasserstoff ab 2025 ohne Förderung aus. Allerdings kommt Australien als Wasserstoffproduzent für Deutschland wohl nicht infrage, da Australien bevorzugt asiatische Staaten, wie China, Japan, Südkorea und Singapur, beliefern wird.

Autor: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: energate, 11.09.2019 und 18.09.2019

Bild: ©vchalup, adobe.stock.com