Die digitale Gesundheitsversorgung in Zahlen
Fortschritte sichtbar, aber weiterhin Luft nach oben
Die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern ist seit der ersten Digitalen Reifegradmessung im Jahr 2021 vorangeschritten. Der Zwischenbericht der zweiten Digitalen Reifegradmessung, die 2024 durchgeführt wurde, zieht das Fazit, dass der digitale Reifegrad der Krankenhäuser von damals 33,3 Punkten auf 42,5 Punkte gestiegen ist. Das entspricht einer Verbesserung um 9,1 Punkte bzw. 27,3 Prozent.[1]
In allen DigitalRadar-Dimensionen haben sich die Krankenhäuser verbessert. Ähnlich wie in der ersten Erhebung schnitten sie am besten in der Dimension „Strukturen und Systeme“ ab, während die Dimension „Patientenpartizipation“ das schlechteste Ergebnis aufwies. In jeder der Dimensionen gibt es weiterhin Krankenhäuser mit sehr niedrigen Erfüllungsgraden, aber auch solche mit bereits sehr hohen.
Erfüllungsgrad nach Dimensionen

Trotz der erzielten Fortschritte seit der letzten Reifegradmessung hat Deutschland im internationalen Vergleich jedoch noch Aufholbedarf.
[1] Der DigitalRadar-Score (DR-Score) reicht von 0 (nicht digitalisiert) bis 100 (voll digitalisiert).
Digitale Angebote der niedergelassenen Ärzte
Im niedergelassenen Bereich deuten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ebenso auf eine zunehmende Digitalisierung hin. Laut Erhebungen der KBV ist seit 2018 in den mehrheitlichen Bereichen eine Zunahme der digitalen Angebote der niedergelassenen Arztpraxen für ihre PatientInnen zu verzeichnen. Dies lässt sich beispielsweise für die Entwicklung der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), Online-Rezepte und Online-Termine konstatieren. Auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und das eRezept sind in den Versorgungsalltag der Praxen integriert.
Wie der aktuelle PraxisBarometer Digitalisierung zeigt, steigt der Anteil der niedergelassenen Arztpraxen, die DiGA verordnen, seit 2022 kontinuierlich an. Auch die Online-Rezeptbestellung und Online-Terminvereinbarung werden von immer mehr Praxen angeboten. Der Anteil der Arztpraxen, die ihren Patienten ermöglichen, Rezepte online zu bestellen, ist seit 2018 von 24,4 Prozent auf 45 Prozent in 2024 gestiegen. Bei der Online-Terminvergabe wuchs der Anteil der niedergelassenen Ärzte, die Online-Terminvereinbarungen anbieten, im selben Zeitraum um das Doppelte.
digitale angebote

Zwischen September 2020 bis Dezember 2024 wurden insgesamt über 1 Mio. DiGA ärztlich verordnet oder von den Krankenkassen genehmigt. Davon wurden 861.000 DiGA in diesem Zeitraum in Anspruch genommen. Die Anzahl der eingelösten Freischaltcodes steigt stetig ebenso wie die Anzahl der im Verzeichnis eingetragenen DiGA.
Entwicklung der Inanspruchnahme und Anzahl der DiGA

Im Versorgungsalltag der Praxen angekommen sind die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und das elektronische Rezept (eRezept), auch wenn deren Nutzung nach wie vor nicht immer problemlos verlaufe. Versorgungsebenenübergreifend nutzen 95,1 Prozent der befragten Praxen die eAU und 94,1 Prozent das eRezept bei ihren PatientInnen.
Nutzung der Anwendung bei der Versorgung von PatientInnen

Ausbaufähig: ePA-Nutzung und innerärztliche Kommunikation
Noch nicht im Praxisalltag angekommen, ist die elektronische Patientenakte (ePA), die zwar mehrheitlich installiert ist, aber nur von einem kleinen Anteil genutzt wird.
ePA (elektronische Patientenakte)

Auch die Kommunikation zwischen den Ärzten funktioniert noch nicht auf allen Ebenen digital. Während die niedergelassenen Ärzte durchaus auf digitalen Kanälen miteinander kommunizieren, dominiert in der Kommunikation zwischen den niedergelassenen Arztpraxen und den Krankenhäusern noch die Papierform.
Digitale innerärztliche Kommunikation (2024)

Insgesamt zeigen die aktuellen Berichte, dass sowohl die Krankenhäuser als auch die niedergelassenen Praxen Fortschritte bei der Digitalisierung machen. Dennoch bleibt es eine zentrale Aufgabe, die strukturellen, technischen und organisatorischen Hürden zu beseitigen, um digitale Anwendungen in der Patientenversorgung zu etablieren und die Gesundheitsversorgung für die Zukunft zu rüsten.

Thip Pruckner, Market Intelligence Senior Expert
Quellen:
- PraxisBarometer Digitalisierung 2024, IGES/KBV
- www.kbv.de
- www.aerzteblatt.de
- DigitalRadar, Ergebnisse der zweiten nationalen Reifegradmessung deutscher Krankenhäuser 2024
- Bericht des GKV-Spitzenverbandes über die Inanspruchnahme und Entwicklung der Versorgung mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA-Bericht) gemäß § 33a Absatz 6 SGB V Berichtszeitraum: 01.09.2020–31.12.2024