Automobilhersteller vs. Zulieferer – Weitergabe des Preisanstiegs sorgt für Konflikte

Die Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie haben sich seit Jahresbeginn weiter eingetrübt. Die Branche wird weiterhin durch Probleme entlang der Wertschöpfungskette mit Rohstoffen und Vorprodukten bestimmt. Hinzu kommen steigende Produktionskosten bedingt durch anhaltend hohe Energiepreise, denn Autohersteller und Zulieferer sind bei ihrer Produktion noch immer von Gas abhängig. Die Weitergabe der steigenden Kosten führt aktuell zu Konflikten zwischen den zwei Parteien.

Für den Moment scheint das Geschäft für die Autohersteller wieder zu laufen. Der vom Münchner Ifo-Institut erstellte Indikator für die aktuelle Lage stieg im Juni um 5,8 auf 23,6 Punkte.

Die Autohersteller können weiterhin hohe Verkaufspreise durchsetzen“, sagte Ifo-Experte Oliver Falck.  Die Zukunftsaussichten bewerteten die Autobauer weniger optimistisch. Der Indikator der Erwartungen fiel um 31,5 Punkte auf 9,8.

Während die Autohersteller die steigenden Rohstoff- und Energiepreise an ihre Kunden abgeben können, sieht die Lage auf Seiten der Zulieferer deutlich schlechter aus. Der Index für die aktuelle Geschäftslage sank um 5,6 auf 2,5 Punkte, der für die Aussichten um 14,1 auf minus 33,1 Punkte. Der Auftragsbestand ist gesunken und die Zulieferer erwarten, die Produktion einzuschränken.

Reduced gas supplies from russia

Die gedrosselte Gaslieferung aus Russland entwickelt sich immer mehr zum Worse-Case-Szenario für die Zulieferer. Teile aus Aluminium und andere Leichtmetalle für die Autoindustrie werden in rund 200 deutschen Gießereien produziert. Anders als bei Eisengießereien werden diese aber nicht mit Strom, sondern mit Gas befeuert. Würde die Gaszufuhr gestoppt werden, könnten Fahrzeugteile aus Aluminium, wie z. B. von Druckguss Westfalen, nicht mehr produziert werden.  Druckguss Westfalen produziert unter anderem die Gehäuse für die Steuerungselektronik für Audis Strom-SUV E-tron und für Porsches elektrische Limousine Taycan.

Ohne Westfalens Aluminiumteile würden die Modellreihen nicht fertiggestellt werden können. Laut dem Geschäftsführer von Druckguss Westfalen, Rolf Cramer, handelt es sich um branchenübergreifendes Problem, da rund 90 Prozent der Produktion der ganzen Alu-Gussbranche an die Automobilindustrie ginge. Daher ist ein Ersatz durch andere Gießereien auch nicht möglich. Bei anderen Zulieferern ist die Lage ähnlich. Ralf Göttel, Chef des Autozulieferers Benteler, ging im Gespräch mit dem Handelsblatt sogar davon aus, dass die Teileproduktion des Herstellers für die Automobilindustrie in Europa zum Erliegen käme, wenn ein Gasembargo eintritt.

Die Zulieferer versuchen ebenfalls einen Teil der steigenden Kosten an die Autokonzerne weiterzugeben, stoßen dabei jedoch auf Widerstand. Die Automobilhersteller fordern sogar noch Preissenkungen von den Zulieferern, während sie selbst im zweiten Quartal Rekordgewinne eingefahren haben, berichtet ein anonymer Branchenexperte. Die Autobauer kommen den Zulieferern nur so weit entgegen wie nötig, um die Gefahr eines Lieferstopps zu verhindern.

Die Lage zwischen Autoherstellern und Zulieferern ist aktuell so angespannt, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Schlichter zwischen beiden Parteien einschreiten muss, stößt bei den Vermittlungsversuchen jedoch an kartellrechtliche Grenzen.

Die Perspektive zur zweiten Jahreshälfte bleibt angespannt. Sollte das Gasembargo eintreten und die Automobilzulieferer nicht mehr produzieren können, werden die Automobilhersteller, mit den ohnehin schon bestehenden Problemen entlang der Wertschöpfungskette, mit weiteren Engpässen konfrontiert.

Norman Ziegler, Market Intelligence Expert

Quellen: