Offshore Carbon-Capture- und Storage

Olivier Le Moal, stockadobe.com

Experten rechnen mit steigenden Temperaturen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen ist das Risiko einer zumindest zeitweisen Erderwärmung um 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau in den nächsten fünf Jahren auf 50 Prozent gestiegen. Laut eines Klimaberichts der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) lag die Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung 2015 noch nahe null. Um diesen Trend zu stoppen, werden Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -entfernung immer mehr ein Muss.

Laut der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind etwa 20 Prozent der zur Erreichung des 1,5-Grad-Szenarios erforderlichen Emissionsminderungen in irgendeiner Form mit Kohlenstoffabscheidung verbunden. Eine so große Herausforderung bedeutet auch eine Marktchance. Die Arbeiten zur Ausweitung der CO2-Abscheidung haben begonnen. Bis jetzt gibt es 16 große Kohlenstoffabscheidungsanlagen, die mehr als 30 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr aus Industrieanlagen abscheiden. Ihre Zahl müsste aber weltweit möglich schnell anwachsen.

Besonders Ölkonzerne zeigen hohes Interesse an Technologien, die der Luft CO2 entziehen. Die sichere Speicherung von CO2 in ehemaligen Öl- und Gasfeldern ist eine bewährte Technologie. Jahrzehntelang haben Energieunternehmen unter Druck stehendes CO2 in Lagerstätten injiziert, um Öl zu verdrängen und an die Oberfläche zu treiben.  Doch zuvor müssen große Mengen CO2 von der Abscheidungsstelle entweder durch Pipelines oder Spezialschiffe zur Speicherstätte transportiert werden. Das CO2 muss unter Druck gesetzt werden, um einen flüssigen Zustand zu erreichen.

Die norwegische Regierung hat 1,7 Milliarden Euro für das sogenannte Northern Lights-Projekt investiert, einem Joint Venture, dem Equinor, Shell und TotalEnergies angehören. In der ersten Phase wird CO2 aus industriellen Quellen in der Region Oslofjord aufgefangen und in flüssiger Form zu einem Onshore-Terminal an der norwegischen Westküste transportiert, wo es per Pipeline zu einem Offshore-Speicherkomplex in der Nordsee in 2.600 Metern Tiefe befördert wird. Die erste Phase des Northern Lights-Projekts zielte darauf ab, Kapazitäten für den Transport, die Verpressung und Speicherung von bis zu 1,5 Mio. t CO2 pro Jahr zu erreichen. Doch es wird an der Skalierung von Offshore Carbon-Capture- und Storage (CCS) gearbeitet.

Mit einem weiteren Projekt namens Stella Maris, soll die gesamte CCS-Wertschöpfungskette weiterentwickelt werden, von der Verladung des CO2 im Hafen, dem Schiffstransport bis hin zu einer kontinuierlichen Verpressung von 10 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in Offshore-Lagerstätten. Noch sind solche Verfahren teuer und die Skalierung der CCS-Infrastruktur wird noch einige Zeit brauchen.

Autorin: Doris Höflich, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quellen: DNV Januar 2022 / Handelszeitung, 10.05.2022