Personalisierte Medizin vs. stratifizierte Medizin

Das proklamierte Ziel der personalisierten Medizin ist es, jedem Patienten eine auf ihn zugeschnittene Therapie mit den bestgeeigneten Medikamenten zu ermöglichen. Faktisch geht es nicht – zumindest noch nicht – um die Eigenschaften eines unverwechselbaren Individuums, sondern vielmehr um die Einordnung eines Patienten in eine Subpopulation mit einem bestimmten Subtyp der jeweiligen Erkrankung, die sich durch spezifische Eigenschaften, „Biomarker“, von anderen Subtypen unterscheidet. Dieser Prozess der Schichtung bzw. Gruppierung nennt man Stratifizierung.

Das grundlegend Neue an der personalisierten bzw. stratifizierten Medizin ist, dass gezielt nach Biomarkern gesucht wird, die eine Gruppierung in Subgruppen erst ermöglichen. Die Suche nach geeigneten Biomarkern ist daher in vollem Gange. Noch ist die Zahl der in Deutschland für die personalisierte Medizin zugelassen Arzneimittel mit ca. 50 recht gering. Innerhalb der sich in klinischer Forschung befindlichen Präparate beträgt der Anteil allerdings schon über 40 Prozent.

Besonders hoher Erwartungsdruck liegt auf dem Bereich Onkologie. Erst als man anfing, die Genome einzelner Tumoren, die sich scheinbar ähnelten, zu entschlüsseln, wurde das Ausmaß der Heterogenität auf molekularer Ebene sichtbar. Die Analyse des Tumor-Genoms mit all seinen Mutationen stellt heut die Basis für eine personalisierte Therapie dar.
Am Heidelberger Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) ist es das erklärte Ziel, allen Patienten eine vollständige Tumorsequenzierung anzubieten. Die dafür notwendigen Laboreinrichtungen und Rechen- bzw. Speicherleistungen (10 Terabytes/day) werden vom benachbarten Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) bereitgestellt. Zum Vergleich: das entspricht dem Datenvolumen, das das Hubble-Teleskop pro Jahr liefert.

Autor: Anja Fürbach, Market Intelligence Senior Expert, SVP Deutschland AG
Quelle: BIOPRO Magazin 2/2018